Einweihung und Aufnahme in den Baumlehrpfad
Am Freitag den 24. April 2026 fand die feierliche Einweihung der neuen Maulbeerbaum-Schilder und Aufnahme in den Baumlehrpfad statt. Gemeinsam veranstalteten das Naturkundemuseum Potsdam und die Waisenhaus-Stiftung die Eröffnung.
Einen Tag vor dem bundesweiten Tag des Baumes am 25. April wurde der Baumlehrpfad im Innenhof zwischen Naturkundemuseum Potsdam und dem ehemaligen Großen Militärwaisenhaus um eine Station erweitert: Ein Weißer Maulbeerbaum (Morus alba) erhielt zwei neue Informationstafeln und wird somit offiziell in den Lehrpfad integriert. Der Baum gehört zu insgesamt sechs Exemplaren, die Jugendliche der GFB-Wohngruppe „JoJo” anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Stiftung Großes Waisenhaus 2024 gepflanzt haben. Diese Jugendlichen sind Teil einer betreuten Wohngemeinschaft aus Märkisch-Oderland. Die Einweihung erfolgt gemeinsam mit Stiftungsgeschäftsführer René Schreiter und Museumsdirektor Dr. Jobst Pfaender. Der Baumlehrpfad umfasst derzeit 17 Bäume und vermittelt anschaulich Wissen über einheimische und exotische Arten – von ihrer Herkunft über biologische Besonderheiten bis hin zu ihrer Nutzung durch den Menschen.
Besonders freuen wir uns über die Beteiligung der Jugendlichen, die uns auch wieder bei der Einweihung vor Ort besuchten. Auch der Erzieher der Jugendwohngruppe betont: Die Jugendwohngruppe „JoJo“ aus Buckow machte am 24.04.26 einen Tagesausflug nach Potsdam, um „unseren“ Maulbeerbaum feierlich einzuweihen. Nach Absprache und Wunschvorstellungen wurden die Bäume auf dem Hof der Stiftung beschildert und in den Naturlehrpfad integriert. Unsere Jugendlichen haben sich sehr über die Einladung, die liebevolle Um — und Versorgung vor Ort von den netten Kolleg:innen gefreut und sind stolz, ein fester Teil des Naturlehrpfades zu sein. Nach der Feierlichkeit haben wir in Kleingruppen ein selbst erstelltes Geschicklichkeitsspiel durchgeführt und noch mehr zu der interessanten Geschichte des Waisenhauses und Potsdam erfahren.
Die Weiße Maulbeere stammt ursprünglich aus China und wurde im 18. Jahrhundert gezielt nach Preußen gebracht. Unter Friedrich II. sollte so eine eigene Seidenproduktion aufgebaut werden – auch rund um Potsdam entstanden Maulbeerplantagen. Im 18. Jahrhundert prägten Maulbeerbäume sogar das Stadtbild: Sie standen in Alleen, auf Plätzen und auch auf Schulhöfen. Noch heute erinnert etwa die Maulbeerallee im Park Sanssouci an diese Zeit. Auch das Große Militärwaisenhaus war eng in diese Entwicklung eingebunden. Bereits ab 1749 wurden eigene Seidenraupen gezüchtet und Seide hergestellt. Für die Aufzucht der Maulbeerbäume schenkte König Friedrich II. dem Waisenhaus eine größere Fläche für Plantagen in der Saarmunder Heide – zeitweise mit mehreren tausend Bäumen. Die Pflege der Plantagen und die Versorgung der Seidenraupen gehörten damals auch zum Alltag der Kinder des Waisenhauses. Das ambitionierte Projekt erwies sich jedoch als schwierig: Ungünstige Böden und die Entfernung der Anbauflächen erschwerten den Betrieb, sodass die Plantagen Ende des 18. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurden. „Die Maulbeerbäume stehen für eine lange Geschichte, die mehr als zwei Generationen von Kindern im Waisenhaus geprägt hat. Heute verbinden wir damit unseren Auftrag, die Erinnerung an diese für die jungen Menschen sehr leidvolle Zeit wachzuhalten und der heutigen Jugend Einblicke in das Leben vor 200 Jahren zu ermöglichen”, so Stiftungsgeschäftsführer René Schreiter. Weitere Aspekte zur Geschichte bietet das Waisenhaus-Museum, das am Tag der Einweihung geöffnet ist.
Der Baumlehrpfad wurde 2012 auf Initiative des Naturkundlichen Museumsvereins Brandenburg e.V. in Kooperation mit dem NABU, dem Naturkundemuseum Potsdam und der Stiftung Großes Waisenhaus eingerichtet. Ziel war es, die botanische Vielfalt im Herzen der Stadt erlebbar zu machen. Im frei zugänglichen Innenhof zwischen Naturkundemuseum, Haus der Natur und Waisenhaus wachsen zahlreiche heimische sowie kulturhistorisch bedeutende Baumarten, darunter Esskastanie, Spitz-Ahorn, Winter-Linde oder Götterbaum. Anschauliche Informationstafeln vermitteln wissenschaftlich fundiertes Wissen zu fast 20 Arten. „Der Baumlehrpfad macht sichtbar, wie wichtig Bäume für unser Leben sind – für Klima, Luftqualität und das Stadtbild. Denn nur was man kennt, lernt man auch zu schätzen und zu schützen”, betont Museumsdirektor Dr. Pfaender. Die Erweiterung des Lehrpfades erfolgt bewusst im Vorfeld des „Tag des Baumes” am 25. April, der bundesweit auf die Bedeutung von Bäumen für Umwelt, Klima und Gesellschaft aufmerksam macht.

- Maulbeerbaum Einweihung: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam
- Maulbeerbaum Einweihung: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam
- Führung Baumlehrpfad: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam
- Maulbeerbaum Einweihung: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam
- Die Jugendlichen, die die Bäume pflanzten: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam
- Spiel bei der Einweihung: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam
- Spiel bei der Einweihung: © Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam